Es gibt Momente beim Heimwerken, da zweifelt man am eigenen Verstand, an den Naturgesetzen und an der gesamten Elektroinstallation eines Hauses von 1936. Wie im letzten Bericht („Totgesagte spülen länger – Wenn die Spülmaschine nach 8 Jahren stirbt“) beschrieben, ging es nach dem vermeintlich plötzlichen Tod unserer Bosch-Spülmaschine um die schnelle Beschaffung eines Nachfolgers. Die neue Siemens iQ300 steht inzwischen auch in der Küche – aber der Weg dorthin offenbarte ein absolut bizarres Elektrik-Rätsel, das uns fassungslos zurückgelassen hat.

Der Reihe nach. Parallel zum Spülmaschinen-Drama lief im Hintergrund ein weiteres größeres Projekt: Der Aufbau unseres Balkonkraftwerks im Garten an der Gartenhütte. Dafür musste die Elektroinfrastruktur erneuert werden. Ich habe das rund 20 Meter lange Stromkabel vom Schuppen (der direkt an das Haus grenzt) durch den Garten zur Hütte komplett durch ein solides Erdkabel ersetzt und in diesem Zuge auch gleich ein Twin-Netzwerkkabel mit in die Erde gelegt.
Für die Arbeiten an der Leitung schaltet man nun logischerweise die entsprechende Sicherung im Keller ab. Die Sicherung für den Schuppen und die Gartenhütte war also dauerhaft draußen und ich konnte in Ruhe die Kabel verlegen und anschließen. Dieser Vorgang erstreckte sich über etliche Tage.
Die vermeintlich logische Fehlerkette
Als die alte Bosch-Maschine kurz darauf den Geist aufgab, prüfte ich routinemäßig die Sicherungen im Sicherungskasten. Die Automaten für die Küchensteckdosen waren alle drin und ließen sich fehlerfrei schalten. Da die Maschine absolut tot blieb, folgte die Fehlersuche: Ich vermutete einen Fehler beim Türschloss, bestellte das Ersatzteil und tauschte es leider erfolglos aus. Der Fehler blieb. Nach Rücksprache mit einem befreundeten Fachmann, der mir mitteilte, dass die Produktion von Ersatzteilen für diese Serie inzw. eingestellt wurden, entschieden wir uns zähneknirschend für einen Neukauf der Maschine.
Nach einer intensiven Marktanalyse und Vergleich der infrage kommenden Geräte bestellte ich dann eine Siemens iQ300 Spülmaschine. Da eine Abholung leider nicht in angeboten wurde, musste ich zusätzlich Lieferkosten in Höhe von 50€ akzeptieren.
Dann folgte vier Tage später die Lieferung. Gemeinsam mit meinem Sohn ging es an den Austausch. Die alte Maschine wurde aus der Küchenzeile ausgebaut, die neue Siemens hineingeschoben. Alle Schläuche wurden fachgerecht angeschlossen, der Netzstecker kam in die dafür vorgesehene Steckdose unter der Arbeitsplatte.
Vor dem finalen Festschrauben in der Zeile stand der obligatorische Funktionstest an. Stecker drin, Power-Knopf gedrückt…
Nichts. Totale Funkstille. Genau wie bei der alten Maschine.
Die Stunde der Wahrheit am Sicherungskasten
In diesem Moment beschlich uns ein ganz übler Verdacht, den wir im ersten Augenblick selbst nicht glauben wollten. Wir prüften nochmals den Sitz des Steckers. Um Gewissheit zu haben, steckte mein Sohn sein Smartphone-Ladegerät in die Steckdose unter der Arbeitsplatte. Kein Ladestrom. Keine Reaktion. Die Steckdose war stromlos.
Ich ging wieder in den Keller vor den Sicherungskasten. Alle Sicherungen für die Küche waren aktiv. Der einzige Sicherungsautomat, der seit Tagen pflichtbewusst und absichtlich auf „Aus“ stand, war der für den Schuppen und die Gartenhütte.
Obwohl es absolut unlogisch erschien und ich mir zu 99,99999999% sicher war, dass eine Küchensteckdose nichts auf dem Stromkreis einer Gartenhütte zu suchen hat, betätigte ich die Sicherung und schaltete sie ein.
Ein lauter Ruf meines Sohnes hallte durch das Treppenhaus: „Es lädt!“ – WTF?!

Fazit: Elektrik mit Überraschungseffekt
Die bittere Erkenntnis dieses Umbaus: Die alte Bosch-Maschine ist nie ausgefallen. Sie funktionierte die ganze Zeit über einwandfrei. Sie bekam lediglich keinen Strom mehr, weil ich für die Arbeiten an der Gartenhütte die vermeintlich unbeteiligte Sicherung draußen hatte. In der historischen und über die Jahrzehnte gewachsenen Verkabelung unseres Altbaus hängt die Steckdose der Spülmaschine schlicht auf demselben Stromkreis wie der Schuppen im Außenbereich. Da wir den Fehler durch diese Fehlverkabelung an der völlig falschen Stelle gesucht haben, wurde die voll funktionsfähige Maschine umsonst ausgebaut.
Die neue Siemens wird dennoch behalten. Nach knapp acht Jahren Laufzeit der alten Maschine ist das ohnehin ein vertretbares Upgrade, und der logistische Aufwand für einen Speditions-Rückversand steht in keinem Verhältnis.
Benötigt zufällig noch jemand aus der Leserschaft eine Spülmaschine? Marke Bosch – ein absoluter Spitzenhersteller, unverwüstliche Technik! Das Gerät wurde die letzten acht Jahre in einem Vier-Personen-Haushalt quasi überhaupt nicht beansprucht und ist daher als absolut neuwertig zu betrachten. 😉 (IRONIE AUS) 😉
Mein Messtechnik-Professor hat immer gesagt: „Wer misst misst Mist“.
Merke: „Wer gar nicht misst stochert im Nebel“ -hi-